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Das Postfahrrad wird 130

Seit 1896 im Einsatz, ist das Postfahrrad für viele Zustellerinnen und Zusteller bis heute ein verlässlicher Begleiter bei Wind und Wetter.

Die ersten Posträder

Was heute selbstverständlich wirkt, war damals eine kleine Sensation: Als die ersten Postboten der Kaiserlichen Reichspost 1896 auf der Berliner Gewerbeausstellung testweise mit dem Fahrrad losgeschickt wurden, waren sie pro Fahrt rund 24 Minuten schneller als die damals üblicherweise genutzte Pferdebahn. Der Versuch überzeugte, das Rad blieb. 

Bild links: Landbriefträger vor einem Postamt im Schwarzwald um 1925. Bild rechts: Fahrradzustellerinnen der Deutschen Post der DDR um 1968

Die ersten gelben Postfahrräder waren bereits 1889 auf der Straße. Sie wurden von Seidel & Neumann an die Reichspost ausgeliefert. Warum der gelbe Lack? Er diente nicht nur der Wiedererkennbarkeit, sondern auch dem Schutz vor Diebstahl.

Zeitungswerbung für Fahrräder von Seidel & Naumann um 1900

Die Vorteile der neuen Posträder zeigten sich schnell, denn in den Städten beschleunigten sie besonders die Zustellung von Eilsendungen und Telegrammen. In den 1890er‑Jahren kamen außerdem Dreiräder mit Kastenaufbau hinzu – ideal, um Briefkästen zu leeren und Beutel zwischen Postämtern auszutauschen. 

Bild links: Modell von „Naumann’s Germania“ Dreirad um 1900. Bild rechts: Elektrofahrrad der Deutschen Post AG, 2001

Der größte Vorteil zeigte sich auf dem Land: Landbriefträger, die zuvor zu Fuß unterwegs waren, schafften größere Bezirke und konnten mehr Sendungen transportieren. Das Rad war schneller, günstiger und flexibler als alles, was die Post bis dahin kannte.

Über die Jahrzehnte hinweg wurde das Postfahrrad zu einem der wichtigsten Arbeitsmittel der Briefzustellung, denn es veränderte Abläufe, verkürzte Wege und machte die Zustellung in vielen Regionen Deutschlands effizient möglich.

Und auch heute spielt das Fahrrad noch eine wichtige Rolle: Die Deutsche Post betreibt mit rund 18.500 Postfahrrädern – 15.300 E-Trikes und E-Bikes sowie noch rund 3.200 Postbikes ohne E-Antrieb – eine der größten Fahrradflotten Europas – die meisten davon sind moderne E‑Trikes. Sie kommen vor allem in den Großstädten in der Briefzustellung und für kleinformatige Pakete zum Einsatz und fahren im Alltag ohne lokale Emissionen.

Neue Ausstellung zur Geschichte des Postfahrrads

Das Museum für Kommunikation Berlin gewährt in seiner aktuellen Ausstellung „niemals radlos. Das Fahrrad bei der Post“ Einblicke in die Geschichte des Postfahrrads. Zu sehen sind historische Posträder, alte Dienstkleidung, Taschen, Fotos und Dokumente aus über einem Jahrhundert Zustellalltag. Auch interaktive Elemente und Mitmachaktionen warten auf die Besucherinnen und Besucher.

Post und Paket Deutschland Chefin Nikola Hagleitner war bei der Ausstellungseröffnung Ende Februar in Berlin dabei und betonte, wie wichtig das Fahrrad für die Post damals war – und welche Rolle das elektrische Lastenrad heute noch spielt. „Das Fahrrad ist ein Symbol für Beweglichkeit, Veränderungsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Für die Post war es das immer – und wird es auch bleiben“, sagt die Vorständin in ihrer Eröffnungsrede. „Die Rolle des Fahrrads bei der Deutschen Post mag sich wandeln – aber sie bleibt bedeutend. Ob in der Briefzustellung, in der Paketlogistik oder in nachhaltigen Mobilitätskonzepten der Städte: E-Trikes werden auch in der Zukunft eine wichtige Rolle im Betrieb spielen.“

Zur Ausstellung haben auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Deutsche Post und DHL beigetragen. Sie stellten Exponate zur Verfügung und unterstützten die Kuratorinnen und Kuratoren mit ihrem Wissen als Zeitzeuginnen und -zeugen rund um das Thema Zweiräder bei der Post. So wurde aus vielen persönlichen Perspektiven ein lebendiges Gesamtbild.

Die Ausstellung „niemals radlos. Das Fahrrad bei der Post“ läuft noch bis 23. August 2026 in Berlin und rollt danach nach Frankfurt und Nürnberg weiter.

niemals radlos – Museum für Kommunikation Berlin


Fotos: Museum für Kommunikation Berlin/Kay Herschelmann


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