So vielfältig wie unsere Mitarbeitenden ist auch ihr ehrenamtliches Engagement
Seit 2023 ist Niklas Teil des LEJ Hub, aktuell absolviert er sein duales Studium im dritten Semester. Wer ihn nur aus dem Arbeitsalltag kennt, ahnt vielleicht nicht, dass viele seiner Wochenenden auf Fußballplätzen in Nordsachsen stattfinden. Rund 70 bis 80 Spiele begleitet Niklas pro Saison als Schiedsrichter und das seit 2019. Ein Ehrenamt, das Zeit kostet und die Persönlichkeit prägt.
Der Weg zum Ehrenamt begann aus Neugier. „Ich habe früher selbst Fußball gespielt, nicht besonders erfolgreich“, erzählt Niklas. Ganz loslassen wollte er den Sport aber nicht. Ihn habe schon früh interessiert, warum Schiedsrichter bestimmte Entscheidungen treffen. Gerade wenn bei Bundesliga-Spielen das ganze Stadion protestierte, stellte er sich die Frage: War das wirklich falsch oder verstehen wir die Regel nur nicht richtig?
Über seinen damaligen Fußballverein meldete er sich zum Schiedsrichter-Lehrgang an. Acht Wochen lang stand samstags Regelkunde auf dem Programm, inklusive Prüfung am Ende. Seitdem steht Niklas nicht mehr nur am Spielfeldrand, sondern übernimmt Verantwortung auf dem Platz.
Ein besonderer Moment war für ihn das Kreispokalfinale in Torgau vor über 1.000 Zuschauern. Da durfte Niklas als Schiedsrichter Assistent dabei sein. „Das war schon ein anderes Gefühl als vor 50 Leuten“, erinnert er sich. Am Ende kam es sogar zu einem Platzsturm. „Ob positiv oder negativ, vieles blendet man aus. Aber die Atmosphäre war beeindruckend.“ Doch es gibt auch andere Seiten. Beleidigungen bei Jugendspielen, hitzige Diskussionen oder sogar Bedrohungen gehören leider ebenfalls dazu. Ein Spiel endete sogar mit einem Polizeieinsatz, nachdem Fans gegen die Kabinentür schlugen. „Da habe ich mich schon gefragt: Ich mache hier ein Ehrenamt, investiere meine Freizeit – und werde trotzdem so behandelt.“
Für Niklas ist klar: Emotionen gehören zum Fußball, Respektlosigkeit nicht. „Für mich gibt es eine klare Grenze. Wenn es beleidigend wird oder in Richtung Gewalt geht, ist Schluss.“ Und wenn Spieler oder Trainer nach dem Abpfiff unzufrieden sind, antwortet er ruhig: „Ich bin nicht hergekommen, um 22 neue Freunde zu haben. Ich bin hier, damit das Spiel stattfinden kann.“
Ohne Schiedsrichter kein Spiel
Pro Spiel investiert Niklas weit mehr als nur 90 Minuten. Anfahrt, Vorbereitung, Spielleitung und Nachbereitung summieren sich schnell auf sechs bis sieben Stunden. Mit bis zu zwei Einsätzen pro Wochenende bleibt kaum ein freier Tag während der Saison.
In Praxisphasen seines Studiums lässt sich das gut organisieren. Anspruchsvoller wird es in der Theoriephase. „Wenn neun Stunden Uni vorbei sind, setze ich mich abends oft noch einmal an den Schreibtisch, damit ich am Wochenende Zeit habe für mein Ehrenamt.“ In intensiven Prüfungszeiten reduziert er bewusst die Anzahl der Spiele. Über ein Online-Portal kann er Zeiten blocken und seine Einsätze steuern. Diese Selbstorganisation ist für ihn selbstverständlich geworden.
Was Niklas auf dem Platz lernt, spiegelt sich deutlich im Arbeitsalltag wider. Als Schiedsrichter muss er Situationen in Sekunden erfassen, Entscheidungen treffen und diese klar kommunizieren, auch wenn sie nicht jedem gefallen. Genau das ist auch im Berufsleben gefragt: strukturiert analysieren, Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen. „Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben, einmal durchzuatmen und dann Schritt für Schritt vorzugehen“, sagt Niklas. Diese Haltung hilft ihm bei Projekten, in Abstimmungen mit Kolleg:innen und überall dort, wo schnelle Entscheidungen gefragt sind.
Auch Teamarbeit spielt eine zentrale Rolle. In der Liga, in der Niklas pfeift, ist er meist mit zwei Assistenten unterwegs. Er übernimmt die Koordination, plant auch für sie die Anfahrt und den Ablauf. „Am Ende müssen wir als Team funktionieren. Ich kann in der Mitte nicht alles allein sehen.“ Diese Erfahrung lässt sich gut auf unsere Arbeitswelt übertragen: Klare Rollen, Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sind die Grundlage dafür, dass ein Team erfolgreich zusammenarbeitet.
Dieses Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, prägen ihn. Ohne Schiedsrichter kein Spiel: dieser einfache Satz beschreibt, warum sein Engagement weit mehr ist als ein Hobby.
Autorin: Julia Ende
Veröffentlicht: Mai 2026
Fotos: Julia Ende, Samantha Steuck